Aspekte 2016 . Au Poisson rouge

Aspekte 2016 . Au Poisson rouge

Was haben Miles Davis, Jimi Hendrix, Yoko Ono, Terry Riley, Patti Smith und Olivier Messiaen gemeinsam? Was verbindet Greenwich Village und die Kavernen 1595?  Was macht Tristan Murail in einem Club? Und was hat ein Goldfisch damit zu tun?
Die Antwort ist: AU POISSON ROUGE!

© LPR – (Le) Poisson Rouge

Das (Le) Poisson Rouge (frz.: der Goldfisch) befindet sich in Greenwich Village, in unmittelbarer Nähe zum The Village Gate in New York City. In der Location performte schon Jimi Hendrix eines seiner legendären E-Gitarren-Solos, Miles Davis spielte dort Jazz und seit 2008 ist das sich selbst als „multimedia art cabaret“ bezeichnende Le Poisson Rouge (gerne auch bei New Yorkern als LPR abgekürzt) dafür bekannt klassische Neue Musik in eine Clubatmosphäre zu bringen. Da kann es schon passieren, dass man direkt nach Olivier Messiaens Streichquartett „Quatuor pour la fin du temps“ plötzlich eine Indie-Rock-Band hört oder ein DJ-Set aus New York, Amsterdam oder Berlin das Publikum zum Tanzen bringt.

Hier ein paar Eindrücke vom (Le) Poisson Rouge in New York und dem Set der Alternative Rock/Electronic-Band Atoms for Peace:

Nicht zu Unrecht wird das LPR oft als „best club in NYC“ bezeichnet. In wenigen Clubs kann die klassische Konzertsituation plötzlich von einem Rock-Performance oder DJ-Set oder vice versa abgelöst werden. Die Gründer Justin Kantor and David Handler haben aus dem Goldfisch einen Club gemacht, der über die Grenzen New Yorks bekannt ist – nicht nur wegen des abwechslungsreichen Programms, sondern auch, weil die beiden sehr häufig Künstler für einen Teil eines Abends das Programm gestalten lassen, sozusagen eine Carte Blanche den Künstler*innen zu Gestaltung geben, welche im Gesamtkontext des Abends stehen sollte – also nicht ganz weiß, sondern schon ein bisschen eingefärbt: eine Carte rosé sozusagen. Und da kann es dann auch passieren, dass das LPR Ensemble George Crumbs „Black Angels“ aufführt und danach jemand wie die Multimedia-Künstlerin und Rockerin Yoko Ono die Bühne betritt um mit Antony Hegarty ein traurig schönes Duett erklingen zu lassen. Und gleich darauf bringt Patti Smith die Menge zu Tanzen. All das ist das Le Poisson Rouge – die Verschmelzung von Populärkultur und Hochkultur. Es steckt mehr in dem kleinen Goldfisch als man denkt.

Hier ein weiteres Erlebnis aus LPR mit einem Werk von John Cage, welcher auch 1991 als composer in residence beim Aspekte Festival zu Gast war:

Für die Aspekte 2016 hat Ludwig Nussbichler etwas besonders geplant – die im Aspekte 2016 Programm sich zeichnende Achse New York – Paris – Salzburg wird auch räumlich manifestieren:
Die Kavernen 1595 verwandeln sich nämlich für drei Abende in ein Le Poisson Rouge – in AU POISSON ROUGE und ganz nach dem New Yorker Vorbild „serving art and alcohol“ kann man in entspannter Atmosphäre – ganz abseits einer klassischen Konzertsituation – Musik genießen. Die Kavernen 1959 werden zu einem kreativen Asyl vor dem Alltag –  für beide: die Künstler*innen und dem Publikum. Und wie es bei einem Club üblich ist, öffnen sich die Türen zu diesen Late-Night-Konzerten um 21.30 Uhr.

© LPR – (Le) Poisson Rouge

Ganz nach dem New Yorker Vorbild, in dem schon Anna Netrebko, Tori Amos, John Zorn, Lykke Li, Lou Reed oder das Arditti Quartet ein Programm gestalten konnten hat Ludwig Nussbichler für die Reihe drei Gastgeberinnen eingeladen, den jeweiligen Abend zu programmieren. Nach dem Motto einer „Carte rosé“ durften die drei Gastgeberinnen das Programm eines Abends in Bezug zum Festivalprogramm für sich, für befreundete Musikerinnen und das Publikum zusammenzustellen.

Ganz bewusst haben sich die Aspekte 2016 für drei spannende, junge Pianistinnen entschieden: Hsin-Huei Huang, Ardita Statovci und Ariana Haering werden in der Salzburger Version des Poisson Rouge die Gastgeberinnen. Aber nicht nur für das Publikum wird es spannend werden – auch für die Interpreten ist jedes der Konzerte eine Herzenangelegenheit.

© I. Dugolli
Ardita Statovci © I. Dugolli

Die junge Pianistin Ardita Statovci, welche am Mozarteum in Salzburg Konzertfach Klavier studierte, gestaltet zusammen mit der Pianistin Ariana Haering und der Violinistin Chiara Sannicandro den zweiten Abend der Reihe Au Poisson Rouge, welcher unter dem Titel des gleichnamigen Stücks von Tristan Murail steht. Für den Aspekte . Blog hat sie ein paar Fragen zu ihrem Abend im Au Poisson Rouge beantwortet:

Aspekte . Blog:  Das Konzert Cloches d’adieu, et un sourire… in der Reihe AU POISSON ROUGE der Aspekte 2016 wurde von Dir und Ludwig Nussbichler gestaltet. Ludwig Nussbichler meinte, dass es vor allem einem Carte rosé sei – also ein Programm, das vor allem in Diskussion zwischen ihm und Dir entstand. Was bedeutet es für Dich diesen Abend programmieren zu können?

Ardita Statovci:  Richtig, so ist es. Das sind besondere und inspirierende Gespräche, wenn man sich mit Musikerkollegen trifft und über Musik diskutiert… nach einem gegenseitigen Austausch kann es immer wieder zu einer neuen  Projektidee kommen. In unseren Gesprächen mit Ludwig Nussbichler für die Aspekte 2016 hatten wir beide mehrere Werke im Kopf für die Zusammenstellung eines Programms. Im Hinblick auf das diesjährige Festival haben wir versucht verschiedene Gesichtspunkte einzubeziehen, wie Frankreich, Österreich, Uraufführungswerk, Composer in Residence usw.

Über das Endergebnis und das gesamte Abendprogramm freue ich mich sehr! Eine Mischung aus Solo-Klavierwerken und Kammermusik- darunter eine Uraufführung. Jedes Werk ist eine Besonderheit an sich und im Gesamten ist es eine Zusammenarbeit zwischen Komponisten und Interpreten – v.a Menschen, die mir persönlich sehr viel bedeuten! Als 16 Jährige habe ich Harmonielehre-Vorlesungen beim Alexander Müllenbach am Mozarteum besucht. Damals war ich noch ein Kind und durfte von einem wunderbaren Komponisten und Professor wir ihm lernen. Ich habe immer brav meine Harmonielehre-Hausaufgabe gemacht (so gut wie ich konnte). Er hat uns sehr motiviert und die Studenten hatten großen Respekt vor ihm. Ich habe mir gewünscht, dass Alexander Müllenbach, heuer ein Stück für unser Klavierduo ARIADITA, mit Ariane Haering, eigens für die Aspekte 2016 komponiert! Das Festival hat das Werk beauftragt. Wir haben bereits einen Teil der Noten erhalten und das ist eine große Ehre und Freude für mich! Meine Duopartnerin Ariane, ist nicht nur eine fantastische Pianistin sondern auch ein sehr lieber Mensch und liebe Freundin! Das wird ein Abend der großen Emotionen werden.

Aspekte . Blog: Du hast neben dem dem Konzert titelgebenden Stück von Tristan Murail noch Werke von Ludwig Nussbichler, Gerd Kühr und Alexander Müllenbach sowie die Sonate pour piano von Henri Dutilleux ins Programm genommen. Warum hast du genau diese Stücke für das Konzert ausgewählt?

Ardita Statovci: Die Sonate für Klavier solo von Dutilleux ist ein Werk, das ich länger im Repertoire habe und absolut liebe. Tristan Murail ist Composer in Residence und sein Stück „Cloches d’adieu, et un sourire“ für Klavier Solo besteht aus einer breiten Palette von solchen feinsten Farbnuancen die jedes Mal noch lange in meinen Ohren nachklingen. Die „Traumbildfragmente“ für Klavier und Geige von Ludwig Nussbichler ist ein Werk, welches ich den ganzen Tag lang spielen könnte! Diese reizenden wechselnden Rhythmen 5/8, 7/16, die Besonderheit der dynamischen Entwicklung (muss man live hören!), die klare Strukturierung, sind ein richtiges Fest- herrlich!! Ich habe mich allerdings durchsetzen müssen, dieses Werk bei Aspekte 2016 spielen zu dürfen. Herr Komponist Nussbichler wollte es mir nicht erlauben. (lacht) Es ist aber ein tolles Werk, es passt gut zu mir und ich werde es mit Vergnügen in weiteren Konzerten spielen. Ich freue mich es mit der sehr jungen, aber tollen Geigerin Chiara Sannicandro gemeinsam zu spielen. Gerd Kührs „Stop the piano“ für Klavier und Zuspielung wird sicherlich jedes Mal eine schöne Überraschung fürs Publikum sein und es verlangt von dem Interpreten hohe Konzentrationsfähigkeit dem reizenden Charakter gerecht zu werden und ihn zum Vorschein zu bringen. Alexander Müllenbachs Werk für Klavier zu vier Händen eigens für die Aspekte 2016 komponiert, wird die große Uraufführung an diesem Abend sein.

Tristan Murails „Cloches d’adieu, et un sourire“ (frz.: den Glocken des Abschieds und einem Lächeln) in einer ganz anderen Atmosphäre als es beim Aspekte Festival 2016 zu erleben sein wird, aber schon mal als Vorgeschmack:

Aspekte . Blog: Die „Sonate pour piano“ von Henri Dutilleux ist ja dein Bravour-Stück. Was bedeutet für Dich das Stück?

Ardita Statovci: Die „Sonate pour piano“ von Dutilleux ist ganz bestimmt eines der wichtigsten und anspruchsvollsten Werke der Klavierliteratur des 20.Jh. Obwohl ich es öfters gespielt habe, ist jedes Mal ein Herzklopfen da. Als Interpret konzentriert man sich darin nicht nur auf den ausgesprochen virtuosen Charakter des Sonate, die feinen unterschiedlichsten Anschlagarten, sondern auf die vielen Geschehnisse und Aspekte der Grundemotionen, die einen jedes Mal aufs Neue mitnehmen. Als Pianistin, muss ich versuchen mich beim Spielen zu kontrollieren und es öfters aus „der Distanz“ betrachten, sonst taucht man vollkommen in den „Magie des Klangs“ dieser Sonate ein. In dem Fall hat das Publikum natürlich den Vorteil, die „Magie“ dieser Musik in allen Farben erleben zu können. Sie wurde ja 1947/48 direkt nach dem zweiten Weltkrieg komponiert und das hört man! Die klare Botschaft dahinter ist aber sicherlich eine ungeheure positive und triumphale Energie und Kraft! Das bestätigt jedes Mal die Reaktionen des Publikums (und das bis nach China wo man eher „klassische Komponisten“ mag).

Als Einstimmung auf das Konzert am Freitag, 3. Juni in den Kavernen 1959 mit Ardita Statovci können Sie hier schon mal eine Interpretation des finalen Satz „Choral et Variations“ aus Henri Dutilleuxs „Sonate pour piano“ (1947/48) erleben:

Aspekte . Blog: Apropos: Magie des Klangs. Die Aspekte 2016 stehen unter dem Motto „Magie des Klangs“ und als Composer in residence wurde Tristan Murail – ein Klangmagier – eingeladen. Wenn Du in einem Satz die Musik von Tristan Murail beschreiben müsstest, wie würde dieser lauten?

Ardita Statovci: Ein Stück aus einer breiten Palette von derartig feinsten Farbnuancen, die jedesmal noch lange in meinen Ohren nachklingen.

Mehr zu den anderen beiden Konzerten der Reihe Au Poisson Rouge: „Il colore dell’ ombra“ und Hsin-Huei Huang sowie „Hawari“ und Ariane Haering erfahren Sie in unseren nächsten Blog.

© wikipedia/Paulespo
© wikipedia/Paulespo

Au Poisson Rouge verspricht drei spannende Late-Night-Konzerten mit drei aussergewöhnlichen Pianistinnen, spannenden Programmen, einer entspannten Clubamtosphäre. Der kleine große Goldfisch also – Also Au Poisson Rouge! Wir sehen uns dort!

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