Aspekte 2016 . Vier Klangkörper

Aspekte 2016 . Vier Klangkörper

40 Jahre Aspekte Festival Salzburg – vier Konzerte an vier Abenden mit vier unterschiedlichen, aber herausragenden Ensembles und Klangkörpern. Vier Mal eine Reise die magischen Welt des Klangs, vier unterschiedliche Sichtweise und immer wieder ein Verbindendes: Tristan Murail – der composer in residence der Aspekte 2016! Vier mal Informationen zu Ihrer magischen Reise in Reich des Klangs.

Die dritte Reise beschreitet mit Ihnen das oenm . österreichische ensemble für neue musik: fünf Werke von zeitgenössischen französischen Komponisten stehen im Zentrum des Abends. Pascal Dusapin ist dem oenm kein Unbekannter. So hat doch das Salzburger Ensemble die „Carte Blanche“ für den Komponisten bei der Internationalen Sommerakademie der Universität Mozarteum 2012. Dieses Mal steht sein Trio Rombach auf dem Programm – ein Werk für Cello, Klavier und Klarinette, welche aber auch (so, wie es das oenm macht) mit einer Violine besetzt werden kann.

Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf die Klangreise mit Dusapins Trio Rombach:

Ungefähr zur Entstehungszeit des Trio Rombach setzt sich Gérard Pesson mit Seligkeiten für offene Ohren und Herzen (wie es das Aspekte Programm beschreibt) in „Mes Béatiudes“ auseinander. Danach folgt ein Komponist, der sehr nach Innen gekehrt ist und dessen Werke dies auch widerspiegeln – Mark André, ein Franzose, der in in seiner Wahlheimat Berlin lebt, ist dem oenm seit dem Portraitkonzert im Rahmen der Mozartwoche 2012 vertraut. Zu diesen drei etablierten Stars der Neuen Musik aus Frankreich gesellen sich zwei ehemalige Studierende bei Tristan Murail. Peter Sigl, der künstlerische Leiter des oenm, erklärt das Programm des Abends so:

„Dass Dusapin, Pesson und Andre in der gleichen Liga (wie Tristan Murail, Anm.) spielen und im Programm der Aspekte 2016 nicht fehlen dürfen, ist klar. Wir freuen uns, das Gesamtprogramm durch diesen Abend ergänzen zu können. Und UA sind sowieso das allerwichtigste auf einem Festival für Neue Musik!“

Das oenm . österreichische ensemble für neue musik ist fast schon traditionell zu Gast bei den Aspekten. Was aber die wenigsten wissen ist, was die Aspekte und das oenm noch verbindet: Klaus Ager. Zwei Jahre vor der Gründung des Aspekte Festival 1977 rief Klaus Ager ein Ensemble für neue Musik in Salzburg hervor: das oenm. Für die oenm Flötistin Irmgard Messin ist das Aspekte-Festival seit vielen Jahren ein regelmäßiger Fixpunkt in der oenm-Konzerttätigkeit. Das Ensembles und das Festival sind ja beinahe gleich alt und so verbindet sie eine erstaunlich lange und erfolgreiche Zusammenarbeit.
„Das Aspekte Festival ist eine wunderbare und für das Ensemble sehr wichtige Möglichkeit, in der eigenen Stadt im Rahmen eines Festivals für zeitgenössische Musik präsent zu sein. Die Aspekte waren und sind eine Plattform, um Werke österreichischer Komponisten oder von Komponisten mit spezifischem Salzburg-Bezug uraufzuführen. Ein Festival wie die ASPEKTE ermöglicht die Zusammenarbeit der verschiedenen (und zahlreichen) Salzburger Institutionen, die es im Bereich der zeitgenössischen Musik gibt.“
Und Peter Sigl fügt hinzu:
„Wir werden ein spannendes Programm zu diesem wunderbaren Festival beitragen, das eines der ältesten und renommiertesten Fenster in die zeitgenössische Kultur unserer Stadt öffnet.“

Neben dem Stammgast der Aspekte tritt dieses Jahr ein zweiter Salzburger Klangkörper auf: das Mozarteumorchester Salzburg. Gerade zum 40jährigen Jubiläum der Aspekte ist es eine besondere Freude, dass dieser Salzburger Klangkörper die Aspekte 2016 eröffnet.

Spannend ist das Eröffnungskonzert I | Reflections / Reflets gleich in zweifacher Weise – nicht nur, weil es das wohl erste Mal ist, dass ein derartig groß besetztes Orchester im republic spielt, sondern auch weil Ludwig Nussbichler in seinem Programm einen kleinen Kunstgriff vollführte: dem Salzburger Publikum gibt er ein zweites Mal die Chance das wahrscheinlich spannendste Violonkonzert nach 1945 – nämlich Henri Dutilleuxs „L’Arbre des Songes“ – in einem ganz neuen Rahmen zu hören. Zuletzt wurde das Konzert im Rahmen der Mozartwoche 2016 im Großen Festspielhaus von den Wiener Philharmonikern unter Tugan Sokhiev und Renaud Capuçon als Solist zwischen einer Mozart-Symphonie und Mendelssohn Bartholdys „Italienischer“ aufgeführt. Die Aspekte 2016 tauchen dieses Schlüsselwerk der Moderne nicht nur in einen neuen Rahmen: positioniert zwischen der Sinfonie für Bläser und Schlagwerk von Klaus Ager und den 2013 vom BBC Orchester uraufgeführten Reflections / Reflets von Tristan Murail offenbart es darüber hinaus dem Publikum im republic eine ganz neue Sicht auf das Werk ganz abseits eines klassischen Konzertsaals. Zugleich gratuliert dieses Konzert mit „L’arbre des songes“ auch dem großen französischen Komponisten Dutilleux zum 100. Geburtstag.

Als Solist konnte Frank Stadler gewonnen werden, der dem Aspekte Blog über sein ganz persönliches Erlebnis mit dem Komponisten Henri Dutilleuxs berichtete. Am 4. Juni 2008 besuchte das stadler quartett (ebenfalls immer wieder Gast bei den Aspekten) den Komponisten in Paris.

„Es war uns, dem stadler quartett, gelungen, Kontakt zu seiner damaligen Sekretärin aufzunehmen und den Termin im Atelier des Meisters zu bekommen. Wir reisten am Mittag des 4. Juni an, waren wie vereinbart um 15 Uhr vor Ort und durften zwei Stunden mit Herrn Dutilleux verbringen und ihm sein Streichquartett Ainsi la Nuit vorspielen. Er hatte die eine oder andere Anmerkung zu machen, war aber im Gesamten recht zufrieden mit unserer Wiedergabe – glaube ich zumindest. Noch in seinem Atelier spielte er uns ein paar Stellen seines aktuellen Werkes für großes Orchester und Sopran auf CD vor und war sichtlich hingerissen von der wunderbaren Stimme seiner Interpretin Renée Fleming. Anschließend lud uns Herr Dutilleux noch zum Eis Essen ein, danach reisten wir zurück nach Salzburg.
Ainsi la Nuit wurde zweimal bei unseren Konzerten im Radio übertragen, einmal vom ORF und einmal von Deutschlandradio Kultur. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Quartett seinerzeit ist jetzt eine große Hilfe bei der Annäherung an das Violinkonzert von Henri Dutilleux, weil es in der gleichen Sprache geschrieben ist. Die Schwierigkeiten, vor allem in der geballten Form, gehen bei Arbre de Songs um einiges über die des Quartetts hinaus – was durchaus auch überrascht, weil Dutilleux laut eigenen Angaben keine virtuose Musik schreiben wollte – aber es geht doch in allen Passagen um eine Klangfarbe, einen Klangeffekt und eine Klangwirkung und eben nicht um ein Zuschaustellen der technischen Fähigkeiten des Spielers, im besten Fall sieht alles sehr leicht aus und klingt nach reiner Musik.“

Wie dieses Werk klingt, welches der Solist Frank Stadler als reine Musik bezeichnet, können Sie hier schon einmal vorhören – aber lassen Sie sich auf keinen Fall die Gelegenheit entgehen, dieses einmalige Werk live im republic zu erleben:

Neben diesen beiden Salzburger Klangkörpern treten aber auch zwei hervorragende Gastensembles bei den diesjährigen Aspekten auf um die Magie des Klangs erfahrbar und hörbar zu machen. Das ICE war schon bei den letzten Aspekten 2014 zu Gast: damals stand das Festival unter dem Motto New York und die New Yorker Musiker begeisterten das Salzburger Publikum mit ihren Konzerten in der Mozartstadt und zeigten, wie aktuell und zugleich (ent-)spannend Neue Musik sein kann.

Und gerade im Konzert VII | Liber Fulguralis zeigt sich die im Vorwort des Programms aufgezeichnete Linie Paris – New York – Salzburg par excellence: Ludwig Nussbichler fusioniert das New Yorker Ensemble ICE (International Contemporary Ensemble) mit dem Pariser Ensemble L’Itinéaire (dem Stammensemble der musique spectrale) um in Salzburg Tristan Murails großartiges audio-visuelles Werk Liber Fulguralis aufzuführen. Die einmalige Gelegenheit diese beiden Spitzenensembles der Neuen Musik mit einem der beeindruckendsten Werken Murails und der Spektralmusik zu erleben, bietet sich am Samstag, 4. Juni um 19.30 Uhr im republic.
In der Fusion mit dem ICE tritt L’Itinéraire zum ersten Mal auf. Achtung Hochspannung!

Hier besteht die Möglichkeit Tristan Murails „Feuilles à travers les cloches“ – welches das ICE und L’Itinéraire am Samstag, 4. Juni im republich gemeinsam interpretieren werden, schon mal zu hören – um das grenzgeniale Liber fulguralis zu erleben, sollte man unbedingt live hinschauen:

Das wohl den SalzburgerInnen eher unbekannte Ensemble in der Reihe der Klangkörper ist das exxj oder auch Ensemble 20. Jahrhundert. Das exxj wurde 1971 von Peter Burwik mit dem Ziel gegründet, die Musik des 20. Jahrhunderts bekannt zu machen. Peter Burwik wird auch das Publikum der Aspekte zusammen mit seinem Ensemble am Donnerstag, 2. Juni auf eine Reise nehmen – quer durch die Musik von Liza Lim und Julia Purgina, Klaus Ager – selbstverständlich auch Tristan Murail und einer Uraufführnung von Christian Ofenbauer.

Der Komponist Ernst Krenek über das exxj: “Es ist mehr als ein Vergnügen, jedem einzeln und allen zusammen zuzuhören.“

4 Tage, 4 Reisen, 4 Klangmagien und 4 wunderbare Möglichkeiten Musik immer wieder neu zu entdecken. Da bleibt nur zu sagen: Lassen Sie sich diese Möglichkeit nicht entgehen!

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