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SUMMARY:aspekte 11: Secret Theatre
DESCRIPTION:Mitwirkende: \nœnm . œsterreichisches ensemble fuer neue musik \nJohannes Kalitzke\, Dirigent \nAhran Kim\, Flöte\nMarkus Sepperer\, Oboe\nTheodor Burkali\, Klarinette/Bassklarinette\nŽarko Perišić\, Fagott\nDavid Fliri\, Horn\nDavid Schmidt\, Trompete\nŽan Kopše\, Posaune\nJacobo Hernández Enríquez\, Violine 1\nLorenzo Derrini\, Violine 2\nJutas Jávorka\, Viola\nTomasz Skweres\, Cello\nPaul Georg Salomon\, Kontrabass\nNora Skuta\, Klavier\nKarin Küstner\, Akkordeon\nRupert Struber\, Percussion 1\nSebastian Forster\, Percussion 2\nGiovanni Cisternino\, Gitarre \nProgramm: \n\nJakob Gruchmann\, Dickicht für Flöte/Bassflöte\, Bassklarinette\, Klavier\, Violine und Violoncello (2020)\nHerbert Grassl\, Stille – Chaconne (Verschiebungen) op. 174 (2025\, UA) – dem œnm gewidmet\nFabián Panisello\, Seven Japanese Sketches für Oboe und Streichquartett (2023)\nI Okichi and Tsutsumatsu’s Insights – II Bonsho – III Madrigal I – IV Imaginary Song – V Madrigal 2 – VI Maiko Song – VII Wind\nHarrison Birtwistle\, Secret Theatre für Kammerensemble (1984)\n\n  \nHarrison Birtwistle bezeichnete sein Secret Theatre als „instrumentales Rollenspiel“\, es sei „wie ein Theaterstück mit Figuren“. Auch Jakob Gruchmann verleiht in Dickicht den einzelnen Instrumenten eine solistische Rolle\, indem sie aus der „kollektiven Aktion“ heraustreten\, was er zur „dramaturgischen Verflechtung einzelner Klangfarbenfragmente“ nützt – ein „Spiel mit kompositorischer Filigranität und Zerbrechlichkeit“. Fabián Panisello überträgt den betörenden Klang japanischer Instrumente auf westliche und mit Stille – Chaconne (Verschiebungen) op. 174 bringt das œnm ein neues Werk seines langjährigen Leiters (1988-97) Herbert Grassl zur Uraufführung. \n  \nDickichtMeine Komposition Dickicht\, ein Werk für Kammerensemble (Flöte/Bassflöte\, Bassklarinette\, Klavier\, Violine und Violoncello)\, entstand im Jahr 2020 und wurde vom Ensemble NAMES uraufgeführt. Während des Kompositionsprozesses beschäftigte ich mich intensiv mit der Idee des Verschlungenen und des sich Entflechtens und Ent-wickelns. Das Stück arbeitet mit dem ständigen Weiterentwickeln einzelner Gesten\, dem Herausentwickeln solistischer Elemente aus kollektiver Aktion\, dem plötzlichen Hervortreten von bereits untergründig Existierendem sowie der dramaturgischen Verflechtung einzelner Klangfarbenfragmente. Sowohl in dichten\, heftigen als auch ruhigen\, intimen Passagen geht es mir in Dickicht um das Spiel mit kompositorischer Filigranität und Zerbrechlichkeit. – Jakob Gruchmann \n\n Stille – Chaconne/Verschiebungen \nDie Chaconne hat im Verlauf der Jahrhunderte zahlreiche Veränderungen erfahren. Vom Spanischen (mexikanischen?) schnellen Tanz bis zur grandiosen Variationsform in der Barockzeit. Geblieben ist eine Form der Wiederholungen\, also ein festgelegtes Gerüst\, das es dem Komponisten ermöglicht\, ausgreifende und stark wechselnde Inhalte aufzureihen. \nDieses Schema wird hier nur teilweise\, beschränkt auf Rhythmus und Takt (5/4\, 4/4\, 3/4\, 3/8) angewendet. \nIm Bereich der Kunst\, vorwiegend in der Malerei sind Verrückungen und Verschiebungen eine reizvolle Technik. Auch in der Musik werden zeitliche Verschiebungen wie die Synkope\, der Vorhalt\, die verschobene Auflösung eines Akkordes\, oder die Vorwegnahme (der vor dem Akkord eingeschobene Ton) wirkungsvoll eingesetzt. \nIm zweiten Teil dieser Komposition soll durch die Permanenz und Penetranz dieser Verschiebungen auch ein Abbild unserer Zeit* akustisch dargestellt werden.  \n*Verschiebungen können manches aus dem Lot bringen. So können verschobene Schienen zu verheerenden Eisenbahnunglücken führen. Verschiebungen\, Verrückungen\, Verdrehungen werden uns permanent geliefert. „Fake News“ sind das Merkmal unserer Epoche geworden. In einer Rede des amtierenden amerikanischen Präsidenten halten sich Wahrheit und Lüge allenfalls die Waage. Das 7.und 8. Gebot scheint (nicht nur in der Politik) ausgedient zu haben\, und man darf sich nicht wundern\, wenn Verbrecher über Internet ungestraft erfundene Botschaften versenden\, um damit Empfängern das Geld aus der Tasche zu holen. Oder die Verschiebung und Missachtung aller Regelungen\, wenn Großmächte ein Land überfallen oder „kaufen\,“ weil sie es „brauchen“ (z.Bsp. Grönland u.a. wegen dem Klimawandel\, den man gleichzeitig abstreitet\, den Genozid im Gazastreifen\, den Eroberungskrieg in der Ukraine u.a.). Einen minimalen globaler Schutz für die Ärmsten auf der Welt\, jene 50%\, die sich 3% des Gesamtvermögens teilen müssen gibt es nicht. Sie werden als „Abschaum“ qualifiziert\, auch weil sie in „Dreckslöchern“ (Trump) wohnen (1% der Reichsten in der Weltbevölkerung sollen im Gegensatz über ein Vermögen von ca. 30% des gesamten Weltvermögens besitzen). Verschiebung aller mühsam errungenen Grundwerte? \nIm ersten Teil dominiert die Stille\, die wir so dringend benötigen. In der Komposition 4:33\, von John Cage bleiben die Musiker tatsächlich stumm. Damit wurde dieses Thema unnachahmlich ausgereizt und gleichzeitig zu einem Ende geführt (eine Einführung mit Erweiterung dieser Art der Stille könnte die Ausbildung der Musiker allerdings deutlich verkürzen). So kann Musik allenfalls einen „Raum“ von imaginärer Stille erzeugen. Im ersten Abschnitt der Komposition Stille – Chaconne/Verschiebungen wird dies mit einem sparsamen Einsatz der Instrumente\, zurückhaltender Dynamik und einem sehr langsamen Tempo dargestellt. – Herbert Grassl\, 24. Jänner 2025 \n\n Seven Japanese Sketches \nDieses Stück ist eine Neubearbeitung bestimmter Themen\, die aus meiner jüngsten Arbeit an der Oper Die Judith von Shimoda hervorgegangen sind. Auf diese Weise tauchen Figuren aus dem genannten Werk erneut auf\, stellen sich selbst infrage und denken sich neu\, ebenso wie harmonische Elemente\, die mit den Bonshō-Glocken\, dem Instrument Shō oder den harmonischen und inharmonischen Spektralharmonien verbunden sind\, welche einige der Figuren charakterisieren. \nDie bildhafte Szenik\, die diesem Stück innewohnt\, bringt Elemente unserer eigenen musikalischen Kultur in einen Dialog – etwa solche\, die aus dem harmonischen und inharmonischen Spektrum oder aus temperierten hexachordalen Feldern hervorgehen – und verbindet sie\, im Fall der Oboe auch unter Einbeziehung multiphonischer Materialien\, mit Klangmaterialien der Bonshō-Glocken\, der Shō sowie mit den melodischen Wendungen alter populärer Lieder\, die mir als symbolische\, in manchen Fällen auch konkrete Referenz für die Komposition von Die Judith von Shimoda und Seven Japanese Sketches dienten. \nAuf diese Weise haben alle im Werk verwendeten Harmonien mit Mikrointervallen einen spezifischen Ursprung\, der auf diese Quellen zurückgeht\, wenngleich sie zur Erleichterung der Aufführung an das Vierteltonsystem angepasst wurden. \nFür Oboistinnen und Oboisten sowie Ensembles\, die mit solchen Intervallen nicht vertraut sind\, ist eine alternative\, temperierte Intonationsfassung einiger Stücke beigefügt. Sie kann als Ersatz dienen\, verliert jedoch meiner Ansicht nach einen Teil ihrer ursprünglichen Farbe – geheimnisvoll und zugleich von großer Tiefe. – Fabián Panisello \n\n Secret Theatre für Kammerensemble (1984) \nist ein Klassiker der internationalen Ensemblemusik. Wie der Titel andeutet\, handelt es sich um instrumentales Theater: Ein großes Durcheinander herrscht zwischen den widerstreitenden Stimmen\, bis einer von ihnen erlaubt wird\, einen Monolog zu präsentieren. Die Musik wird ruhig\, der Solist „singt“ eine Melodie\, während die anderen Stimmen kommentieren\, doch schon bald kehrt der allgemeine Tumult zurück. \nBirtwistle sagt: „Was ich mache\, ist etwas\, das ich instrumentales Rollenspiel nenne … Ich schreibe kein eigentliches Stück und füge dann eine Anzahl von Instrumenten hinzu – es ist eher wie ein Theaterstück mit Figuren\, so wie sie klingen und was sie sagen.“
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