Reinhold Schinwald

Reinhold Schinwald © Daniel Wolf

Biografie

Reinhold Schinwald lebt und arbeitet in Wien. Kompositionsstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz bei Beat Furrer und Pierluigi Billone sowie Musiktheoriestudium bei Christian Utz, Clemens Gadenstätter und Georg Friedrich Haas. Toningenieurstudium an der Technischen Universität Graz. Er hat Meisterkurse u.a. bei Peter Ablinger, Mark Andre, Chaya Czernowin und Steven Takasugi besucht. 2013 Teilnehmer der Akademie Schloss Solitude. 2026 und 2019 wurde ihm das Staatsstipendium für Komposition, 2015 das Jahresstipendium Musik vom Land Salzburg und 2024 der Gustav Mahler Kompositionspreis zuerkannt. 2018 war er Composer in Residence im ZZM. Aufführungen von Werken bei Wien Modern, Musikprotokoll, Osterfestival Tirol und Taschenopernfestival. Interpretationen von Werken u.a. durch das Ensemble SurPlus, Schallfeld Ensemble, Cantado Admont. Er erhielt Kompositionsaufträge u.a. von PHACE, Wien Modern, klang21, drama graz, œnm und Platypus.

Reinhold Schinwald ist regelmäßig als Klangregisseur und Interpret von Arbeiten mit Live Elektronik zu erleben. 2016 gründete er gemeinsam mit Gina Mattiello büro lunaire.

 

Werkbeschreibung

Verwirbelungen Ib für Posaune, Tape, Live-Elektronik und Stimme (2026, UA)
Text: Stefan Schmitzer

Drei Stimmen verhandeln Blumenbergs Metapherngeschichte des Schiffbruchs in einem assoziativen Textgeflecht: Was bedeutet das Schiff? Was der Beobachter? Ist er cool, der Zuschauer? Dazu eine vierte Stimme, die vom Regiepult aus nur Steuerwörter spricht – „textstelle, teststelle, weiter“ – und damit die Ordnung des Diskurses markiert. Die Stimmen arbeiten sich durch Lukrez und Voltaire, durch Turner-Bilder und Leviathan-Mythen, bis die Sprache selbst ins Taumeln gerät.

Impulslose Schwellklänge der Posaune werden über ein Feedback-Delay-Netzwerk zu einem räumlich aufgespannten Klangkontinuum verarbeitet: ein immersives Klangband, in dem die Stimmen zunächst Halt finden. Die Verwirbelungen – die Klangwirbel des Feedback-Netzwerks – sind dabei sowohl kompositorische Technik als auch Metapher: Strudel, die alles, was in sie hineingerät, in Bewegung versetzen und seiner Kontrollierbarkeit entziehen. (Reinhold Schinwald)