Augusta Read Thomas

Augusta Read Thomas © Anthony Barlich

Biografie

Die Musik von Augusta Read Thomas (*1964 in New York) ist nuanciert, majestätisch, elegant, launenhaft, lyrisch und farbenreich – „eine mutig durchdachte Musik, die den Klang der Instrumente feiert und die Vitalität der Orchestermusik bekräftigt“ (Philadelphia Inquirer).

Als Komponistin auf einer Grammy-prämierten CD von Chanticleer vertreten und Finalistin des Pulitzer-Preises, verkörpert Thomas’ beeindruckendes Œuvre „ungezügelte Leidenschaft und kraftvolle Poesie“ (American Academy of Arts and Letters). Das Magazin The New Yorker bezeichnete sie als „eine wahrhaft virtuose Komponistin“. Gefördert von Persönlichkeiten wie Barenboim, Rostropowitsch, Boulez, Eschenbach, Salonen, Maazel, Ozawa und Knussen, erreichte sie früh die Spitze ihres Berufs. Die American Academy of Arts and Letters beschrieb Thomas als „eine der bekanntesten und meistgeschätzten Persönlichkeiten der amerikanischen Musik“.

Sie ist Universitätsprofessorin für Komposition an der Fakultät für Musik und am College der University of Chicago. Thomas war die am längsten amtierende Mead Composer-in-Residence beim Chicago Symphony Orchestra unter den Dirigenten Daniel Barenboim und Pierre Boulez (1997–2006). Diese Residenz gipfelte in der Uraufführung von Astral Canticle, einem von zwei Finalisten für den Pulitzer-Preis für Musik 2007. Während ihrer Residenz brachte Thomas nicht nur neun in Auftrag gegebene Orchesterwerke zur Uraufführung, sondern spielte auch eine zentrale Rolle beim Aufbau der erfolgreichen Reihe MusicNOW, in deren Rahmen sie Werke zahlreicher lebender Komponistinnen und Komponisten in Auftrag gab und programmierte. In der Konzertsaison 2017–2018 war Thomas Composer-in-Residence beim Eugene Symphony Orchestra, mit Francesco Lecce-Chong als Music Director und Scott Freck als Executive Director. Zudem war Thomas MUSICALIVE Composer-in-Residence beim New Haven Symphony Orchestra, einem nationalen Residenzprogramm der League of American Orchestras und von Meet the Composer.

Thomas erhielt unter vielen weiteren bedeutenden Auszeichnungen den Ernst von Siemens Musikpreis. Sie ist Mitglied der American Academy of Arts and Sciences sowie der American Academy of Arts and Letters. 2016 wurde Thomas zur Chicagoan of the Year ernannt.

Im Jahr 2016 gründete Augusta Read Thomas das Center for Contemporary Composition an der University of Chicago – ein dynamisches, kollaboratives und interdisziplinäres Umfeld für die Schaffung, Aufführung und Erforschung neuer Musik sowie zur Förderung der Karrieren aufstrebender und etablierter Komponistinnen und Komponisten, Interpretinnen und Interpreten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Geprägt durch seine Einbettung in ein kompromissloses, unablässig forschendes und fortwährend innovatives wissenschaftliches Umfeld, das Exzellenz feiert und neue Möglichkeiten des intellektuellen Dialogs eröffnet, umfasst das Center zehn integrierte Bereiche: eine jährliche Konzertreihe mit dem Grossman Ensemble, CHIME, Gastensembles, renommierte Gastkomponistinnen und -komponisten, Aufführungen, Aufnahmen, Forschung, studentisch geleitete Projekte, Workshops und Postdoktorandenstipendien.

Thomas ist nicht nur eine der aktivsten Komponistinnen weltweit, sondern auch seit Langem eine vorbildliche Persönlichkeit mit einer ausgeprägten und nachhaltigen Verbundenheit zu ihrer Gemeinschaft. Sie war ehemalige Vorsitzende des American Music Center, Vizepräsidentin für Musik der American Academy of Arts and Letters sowie Mitglied des Conseil Musical der Fondation Prince Pierre de Monaco.

Im Februar 2015 schrieb der Musikkritiker Edward Reichel: „Augusta Read Thomas hat sich einen dauerhaften Platz im Pantheon der amerikanischen Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts gesichert. Sie ist ohne Zweifel eine der besten und wichtigsten Komponistinnen, die dieses Land heute hat. Ihre Musik besitzt Substanz, Tiefe und Zielgerichtetheit. Sie hat viel zu sagen und weiß, wie sie es sagen muss – auf intelligente, zugleich ansprechende und raffinierte Weise.“

Zu den jüngsten und kommenden Auftragswerken zählen solche für die Santa Fe Opera in Zusammenarbeit mit der San Francisco Opera und weiteren Opernhäusern, PEAK Performances an der Montclair State University und die Martha Graham Dance Company, die Cathedral Choral Society of Washington D.C., das Indianapolis Symphony Orchestra, Tanglewood, das Kaleidoscope Chamber Orchestra, das Des Moines Symphony Orchestra, das Boston Symphony Orchestra, das Utah Symphony Orchestra, die Wigmore Hall in London, das JACK Quartet, Third Coast Percussion, das Spektral Quartet, das Chicago Philharmonic, das Eugene Symphony Orchestra, die Danish Chamber Players, die University of Notre Dame, Janet Sung, das Lorelei Vocal Ensemble sowie die Fromm Foundation.

Thomas hat die besondere Auszeichnung, dass ihre Werke in den Jahren 2013–2014 häufiger aufgeführt wurden als die jeder anderen lebenden ASCAP-Komponistin bzw. jedes anderen ASCAP-Komponisten, wie Statistiken der Verwertungsgesellschaft zeigen (New York Times). Ihre Diskografie umfasst 90 kommerziell veröffentlichte CDs.

Quelle: www.augustareadthomas.com

Werkbeschreibung

RIDDLE – In memoriam Oliver Knussen (2022, Österreichische Erstaufführung)

RIDDLE, für einen Cellosolisten bzw. eine Cellosolistin auf höchstem Niveau, ist virtuos, spielerisch, tänzerisch, nuanciert und wendig. Ein wenig wie eine Kreuzung aus Strawinsky und Bartók mit Bebop, wie ein Motor mit mehreren unterschiedlichen Antrieben, Rädern und Zahnrädern, wühlt und hüpft die Musik in raschem Tempo voran und entfaltet dabei eine Kette von Transformationen, Variationen und Auswüchsen. Die musikalischen Verbindungen sind orbital: Klänge befruchten einander wechselseitig und gehen Beziehungen ein, aus denen wiederum neue Schnittpunkte, Verschmelzungen und Drehpunkte entstehen. Der Geist dieses Werkes liegt darin, dass keine zwei Akkorde, Motive, Linien, Phrasen oder Rhythmen exakt gleich sind. Alles befindet sich im Wandel – alles ist ein Amalgam.

Ich lege großen Wert auf handwerkliche Präzision, Klarheit und Leidenschaft. Meine Werke sind organisch und auf allen Ebenen mit Transformationen und Verbindungen befasst. Die sorgfältig geformten musikalischen Materialien von RIDDLE sind nuanciert, beweglich und energiegeladen; ihre Flexibilität ermöglicht das Verflechten harmonischer, rhythmischer, klanglicher und kontrapunktischer Elemente, die sich ständig verwandeln – mal jazzig, mal groove-artig, mal geschichtet (Kontrapunkt zwischen verschiedenen „Linien“ der Musik) und nachhallend. Über die Dauer von fünf Minuten und dreißig Sekunden entfaltet der Cellist bzw. die Cellistin ein Labyrinth musikalischer Wechselbeziehungen und Verknüpfungen, das die Musikerin bzw. den Musiker in einer virtuosen Demonstration rhythmischer Wendigkeit, kontrapunktischer Meisterschaft, technischer Fertigkeit, Energie, dynamischer Spannweite, Klarheit und Größe präsentiert. Auf dieser kaleidoskopischen Reise durchläuft das Werk verschiedene lebhafte und farbenreiche Episoden, die den musikalischen Diskurs stets mit einem Sinn für Tanz, Laune und Spritzigkeit vorantreiben.

Die zeitlose Qualität der Musik liegt in ihrer Fähigkeit zu Veränderung, Transformation und Erneuerung. Keine einzelne Komponistin, kein Komponist, kein musikalischer Stil, keine Denkschule, keine technische Praxis und keine historische Epoche kann ein Monopol auf die Wahrheiten der Musik beanspruchen. Neue Kunst in Auftrag zu geben ist ein Akt des Vertrauens! Ich fühle mich zutiefst glücklich über die Unterstützung von Anssi Karttunen sowie des Aldeburgh Festivals und habe meine stärksten und konzentriertesten Anstrengungen der Komposition von RIDDLE in memoriam Oliver Knussen gewidmet.

RIDDLE für Violoncello solo ist Anssi Karttunen in Bewunderung und Dankbarkeit gewidmet und steht In Memoriam Oliver Knussen.

— Augusta Read Thomas