Georges Aperghis

Georges Aperghis © Wikimedia Commons

Biografie

Georges Aperghis wurde 1945 in Athen geboren. Seit 1963 lebt und arbeitet er in Paris. Sein Werk ist in besonderer Weise durch eine Auseinandersetzung mit Sprache und Bedeutung geprägt. Seine Kompositionen – ob instrumental, vokal oder für die Bühne – erkunden die Grenzen des Verständlichen; er schafft gern verschlungene, gebrochene Erzählspuren, die den Hörer aktiv halten (Geschichten entstehen, werden jedoch plötzlich wieder zurückgewiesen).

Aperghis’ Musik ist nicht strikt an eine dominante ästhetische Strömung der zeitgenössischen Musik gebunden, sondern steht in einem Dialog mit anderen Kunstformen und zeichnet sich durch eine radikale Offenheit gegenüber dem Anderen aus. Diese Alterität verbindet sich mit Innovation, wenn er Elektronik, Video, Maschinen, Automaten oder Roboter in seine Aufführungen einbezieht. Aperghis arbeitet eng mit Gruppen von Interpretinnen und Interpreten zusammen, die vollständig in den schöpferischen Prozess eingebunden sind. Dazu zählen Schauspielerinnen und Schauspieler (Edith Scob, Michael Lonsdale, Valérie Dréville, Jos Houben), Instrumentalistinnen und Instrumentalisten (Jean-Pierre Drouet, Richard Dubelski, Geneviève Strosser, Nicolas Hodges, Uli Fussenegger) sowie Sängerinnen und Sänger (Martine Viard, Donatienne Michel-Dansac, Lionel Peintre). Seit den 1990er-Jahren ging er zudem neue künstlerische Kooperationen mit dem Tanz (Johanne Saunier, Anne Teresa De Keersmaeker) und den bildenden Künsten (Daniel Lévy, Kurt D’Haeseleer, Hans Op de Beeck) ein. Die wichtigsten europäischen Ensembles für zeitgenössische Musik haben durch feste Auftragsarbeiten eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit Aperghis entwickelt; diese Werke sind inzwischen Teil ihres Repertoires (Ictus, Klangforum Wien, Remix, Musikfabrik, Ensemble Modern, Ensemble intercontemporain, Vocalsolisten, SWR Vokalensemble).

„Aperghis hat sich zweifellos die Freiheit erworben, sich auf das Hochseil zu begeben und den Sturz zu riskieren. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass er weiß: Wenn der Akrobat fällt, stürzt er nicht ins Leere – er fällt auf andere Seile, von denen aus er noch höher springen kann! Man kann mit der Gefahr verhandeln, mit ihr spielen, sie in einen Fluchtpunkt am Horizont verwandeln. In seinem Fall ist sie stets präsent. Sie taucht unablässig wieder auf, immer dann, wenn unvorhergesehene Elemente eingeführt werden – nicht um die formale Kette der Komplexität zu durchbrechen, sondern um andere Ausdrucksformen zu finden.“*

Jüngere Auszeichnungen: der Mauricio-Kagel-Preis 2011, der Goldene Löwe für das Lebenswerk – Biennale Musica di Venezia 2015, der BBVA-Foundation-Preis Frontiers of Knowledge 2016 (Kategorie zeitgenössische Musik), die Auszeichnung der Kaske-Stiftung München 2016, der Grand Prix SACD 2018 sowie der Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2021.

* Auszug aus L’hétérogénèse, einem von Antoine Gindt transkribierten Interview zwischen Félix Guattari und Georges Aperghis.

www.aperghis.com