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aspekte 7: Sound in Time

|(( Nicolas Hodges & Anssi Karttunen

Universität Mozarteum Solitär | Mirabellplatz 1, 5020 Salzburg
13. März 2026
21:00 - 22:15

aspekte 7: Sound in Time

13. März 2026
21:00 - 22:15

Mitwirkende:

Nicolas Hodges, Klavier

Anssi Karttunen, Violoncello

Programm:

 

Der Pianist Nicholas Hodges und der Cellist Anssi Karttunen sind bekennende Enthusiasten zeitgenössischer Musik. In ihrem großteils US-amerikanischen Programm verbinden sie Werke mehrerer Generationen: Musik der im Sommer 100-jährigen Betsy Jolas, Morton Feldmans zweites von fünf Durations-Stücke, in dem er keine Notendauern vorgegeben hat, die ernsthafte Cellosonate von Elliott Carter, mit der er seinen eigenen Stil nach dem 2. Weltkrieg etablierte und das verspielte, tänzerische, sich ständig verändernde Riddle („Rätsel“), gewidmet dem Cellisten Oliver Knussen, komponiert von der New Yorkerin Augusta Read Thomas.

 

  • Lulling

  • Songeries

  • Shall we…

  • Et toi, là-bas… ?

  • Mots de sable

  • Qui parle ?

  • Sing Maria!

  • Bonjour

Die große Liedtradition trat vor vielen Jahren in mein musikalisches Leben, dank meiner Mutter, einer gebürtigen Louisvillerin (Kentucky), die neben anderen Begabungen über eine schöne Stimme verfügte und 1912 nach Berlin geschickt wurde, um Gesang zu studieren.

Ich selbst war noch in meinen Teenagerjahren, als ich begann, sie zu begleiten, und entdeckte auf diese Weise sehr früh das reiche Liedrepertoire, das seitdem einen großen Teil meiner Überlegungen zur Vokalmusik geprägt hat. Im Laufe der Jahre begann ich mich dafür zu interessieren, wie dieses Repertoire insbesondere die Instrumentalmusik beeinflusst hat, und ich wandte mich der von ihm bevorzugten Form zu: dem Zyklus. So habe ich bis heute mehrere solcher Werkgruppen geschrieben, für verschiedene Soloinstrumente mit Orchester oder Klavier.

In Anlehnung an die Tradition tragen meine eigenen Zyklen häufig einen übergeordneten Titel, und seit einiger Zeit versehe ich sie zusätzlich mit Untertiteln – wegen ihrer suggestiven Kraft in Abwesenheit eines gesungenen Textes.

Femme le soir entstand 2017–2018 und wurde am 3. Dezember in der Reid Hall in Paris von Anssi Karttunen und Nicolas Hodges uraufgeführt, denen das Werk gewidmet ist. – Betsy Jolas (2018)

Lintarys ist geprägt durch höchste Intensität, die den instrumentalen Raum als ein Feld permanenter Spannungszustände aufspannt. Das ursprünglich für den Rosario Marciano Wettbewerb geschriebene Pflichtstück fordert von den Interpret:innen eine große technische Bandbreite zwischen Virtuosität und feinster klanglicher Nuancierung. Das Stück entfaltet sich in einer Reihe von impulsiven Wellen und drängt impulsiv nach vorne, beginnend mit kurzen, durch Pausen jäh unterbrochenen, kleinteiligen Segmenten. In nervöser Bewegung erobert die Musik schrittweise höhere Lagen, wobei die Repetitionen und Dreier-Figuren immer drängender bis in das höchste Register ausbrechen, nur um im Fortissimo mit voller Wucht in die Tiefe zurückgeschleudert zu werden. Im Zentrum des Werkes vollzieht sich ein kontrastreicher klanglicher Wechsel durch eine gezielte Präparation: Da die zwei auf die Saiten gelegten Bleistifte nicht das gesamte Register abdecken, treffen die Repetitionen teils auf präparierte, teils auf unpräparierte Töne. Wegen der dynamischen Dominanz des metallischen Klangs erfordert dies eine ständige Kontrolle der klanglichen Balance. Über einer schwebenden, modalen Harmonik aus fallenden Quarten-Zentren (von f-b über e-b/d-as bis h-fis) entfaltet die rechte Hand chromatische Melodieformeln. Die durch 1/32-Pausen zerklüftete Struktur erzeugt ein „nervöses Dolce“ – eine Musik, die trotz ihrer geringen Lautstärke unter extremer innerer Hochspannung steht. Es wirkt fast wie ein Sprechen, das ständig durch kleine Pausen unterbrochen wird, als müsste das Gesagte erst mühsam seinen Weg finden. Der als „aggressiv“ bezeichnete Schlussteil kehrt mit Impulsen im Bassregister zurück; Fortissimo-Ausbrüche und wechselnde modale Zentren führen in eine Beruhigung durch den Pulsschlag der Sekundencluster am Ende dieses Teils. Das Werk schließt mit durchsichtigen, zwei parallelen großen Terzen, die sich über drei Oktaven nach oben bewegen – eine fragende Geste, die durch ein notiertes (mental zu vollziehendes) Crescendo über den physischen Ausklang des Instruments hinausweist. – Alexandra Karastoyanova-Hermentin

ist ein minimalistisches Werk, das auf extrem langsamen, leisen Klängen basiert, bei denen die Interpreten die Dauer jeder Note selbst bestimmen, was eine meditative, fast statische Klanglandschaft erzeugt; es geht um Dauer und Wahrnehmung statt traditioneller Form, mit minimaler Attacke und leiser Dynamik, die eine einzigartige Konzentrationserfahrung schafft. Das Werk fordert die Hörer:innen und Interpret:innen heraus, die Wahrnehmung von Zeit zu verändern und sich auf subtile Klangfarben und langsame Prozesse einzulassen, anstatt auf melodische oder rhythmische Entwicklung zu warten. 

RIDDLE, für einen Cellosolisten bzw. eine Cellosolistin auf höchstem Niveau, ist virtuos, spielerisch, tänzerisch, nuanciert und wendig. Ein wenig wie eine Kreuzung aus Strawinsky und Bartók mit Bebop, wie ein Motor mit mehreren unterschiedlichen Antrieben, Rädern und Zahnrädern, wühlt und hüpft die Musik in raschem Tempo voran und entfaltet dabei eine Kette von Transformationen, Variationen und Auswüchsen. Die musikalischen Verbindungen sind orbital: Klänge befruchten einander wechselseitig und gehen Beziehungen ein, aus denen wiederum neue Schnittpunkte, Verschmelzungen und Drehpunkte entstehen. Der Geist dieses Werkes liegt darin, dass keine zwei Akkorde, Motive, Linien, Phrasen oder Rhythmen exakt gleich sind. Alles befindet sich im Wandel – alles ist ein Amalgam.

Ich lege großen Wert auf handwerkliche Präzision, Klarheit und Leidenschaft. Meine Werke sind organisch und auf allen Ebenen mit Transformationen und Verbindungen befasst. Die sorgfältig geformten musikalischen Materialien von RIDDLE sind nuanciert, beweglich und energiegeladen; ihre Flexibilität ermöglicht das Verflechten harmonischer, rhythmischer, klanglicher und kontrapunktischer Elemente, die sich ständig verwandeln – mal jazzig, mal groove-artig, mal geschichtet (Kontrapunkt zwischen verschiedenen „Linien“ der Musik) und nachhallend. Über die Dauer von fünf Minuten und dreißig Sekunden entfaltet der Cellist bzw. die Cellistin ein Labyrinth musikalischer Wechselbeziehungen und Verknüpfungen, das die Musikerin bzw. den Musiker in einer virtuosen Demonstration rhythmischer Wendigkeit, kontrapunktischer Meisterschaft, technischer Fertigkeit, Energie, dynamischer Spannweite, Klarheit und Größe präsentiert. Auf dieser kaleidoskopischen Reise durchläuft das Werk verschiedene lebhafte und farbenreiche Episoden, die den musikalischen Diskurs stets mit einem Sinn für Tanz, Laune und Spritzigkeit vorantreiben.

Die zeitlose Qualität der Musik liegt in ihrer Fähigkeit zu Veränderung, Transformation und Erneuerung. Keine einzelne Komponistin, kein Komponist, kein musikalischer Stil, keine Denkschule, keine technische Praxis und keine historische Epoche kann ein Monopol auf die Wahrheiten der Musik beanspruchen. Neue Kunst in Auftrag zu geben ist ein Akt des Vertrauens! Ich fühle mich zutiefst glücklich über die Unterstützung von Anssi Karttunen sowie des Aldeburgh Festivals und habe meine stärksten und konzentriertesten Anstrengungen der Komposition von RIDDLE in memoriam Oliver Knussen gewidmet.

RIDDLE für Violoncello solo ist Anssi Karttunen in Bewunderung und Dankbarkeit gewidmet und steht In Memoriam Oliver Knussen. — Augusta Read Thomas

Universität Mozarteum Solitär

Mirabellplatz 1
Salzburg, 5020 Austria

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