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Eröffnungskonzert: Ensemble Resonanz mit Johannes Fischer & Ernst Kovacic

3. März | 19:00 - 19:45

Programm

György Ligeti, „Ramifications“ (1968/69)
Johannes Maria Staud, „Oskar (Towards a Brighter Hue II)“ (2014)


Mitwirkende

Ensemble Resonanz
Ernst Kovacic, Violine
Johannes Fischer, Dirigent


In der Mitte des Programms steht ein Werk eines der Großen des 20. Jahrhunderts, „Ramifications“ (Verästelung) von György Ligeti, aus der Zeit der avantgardistischen 60er-Jahre. Ein Stück für Streichorchester, in dem sich Klangschichten faszinierend über einander schieben und sich dem Titel entsprechend gleichsam verzweigen. Ligeti zu seinem Stück: „Kompositionstechnisch stellen „Ramifications“ eine Weiterentwicklung meiner Arbeitsweise mit komplexen musikalischen Netzgebilden dar; sie sind gleichsam ein Endpunkt in der Entwicklung von ‚dicht und statisch’ zu ‚durchbrochen und beweglich’. Der Titel bezieht sich auf die polyphone Technik der Stimmführung: in einem Knäuel zusammengebundene Einzelstimmen bewegen sich divergent, so dass sich die Stimmbündel allmählich auflösen. Die Gesamtform wird durch das Abwechseln von Verästelung und Vereinigung der Stimmen und durch die dabei entstandenen Risse oder Verknäuelungen des musikalischen Netzgebildes gegliedert. Darüber hinaus gibt es in diesem Stück neue Aspekte einer mikrotonalen Harmonik. Bereits früher arbeitete ich gelegentlich mit Abweichungen von der gleichmäßigen Temperatur (…). Neu ist hier die Konsequenz in der Anwendung eines hyperchromatischen harmonischen Denkens. Aufführungstechnisch wird dies dadurch ermöglicht, dass die Hälfte der Streichinstrumente um einen Viertelton herauf gestimmt ist. Durch von selbst sich einstellende Intonationsunterschiede beim Greifen entsteht jedoch eine Tonhöhenfluktuation, so dass man fast nie exakte Vierteltonabstände hört. Nur an einigen dichten Stellen ergeben sich annäherungsweise Viertelton-Clusters, sonst erscheint eine ganz neue Art von ‚unsicherer’ Harmonik, als ob die Harmonien ‚verdorben’ wären. Sie haben einen haut goût, Verwesung ist in die Musik eingezogen.“

Johannes Maria Staud © Priska Ketterer

Johannes Maria Staud schrieb sein Stück „Oskar (Towards a Brighter Hue II)“ 2014 für die Geigerin Midori und das Lucerne Festival. Ist es ein Violinkonzert? Der Komponist: „Ich vermeide den Begriff Konzert; solche Stücke heißen bei mir immer nur Musik für Violine und Orchester. Die Konfrontation von Solistin bzw. Solist und einem Tutti-Apparat ist gewissermaßen eine musikalische Ursituation, und sich damit auseinanderzusetzen – ob man das Ergebnis nun Konzert oder ganz anders nennt –, das interessiert mich sehr. Die Besetzung ist eine überaus bekannte, scheinbar antiquierte, aber genau aus diesem Grund fällt mir zu ihr etwas ein.“ Oskar ist Stauds Sohn, „der mitten im Kompositionsprozess zur Welt kam. Ich glaube zwar, die Biografie wird bei Komponisten oder Künstlern überhaupt überschätzt. Aber trotzdem spielt sie unterbewusst natürlich schon eine Rolle und wird irgendwie umgewandelt und transformiert im Kunstwerk. Da hab ich mir ein bissl einen Scherz erlaubt. Aber man kann das Stück natürlich auch abstrakt deuten, als absolute Musik.“ Und tatsächlich deutet es schon der Untertitel Towards a Brighter Hue II an. Die Idee geht zurück auf ein gleichnamiges Stück für Violine solo, das sich wiederum auf ein Kurzzitat aus Stauds Oper Berenice bezieht. Staud, der gar nicht so gern viel über seine Musik schreibt, bezieht sich damit auch auf Skulpturen des Engländers David Nash: „Er hat verschiedene Holzarten komplett verkohlt und sich viel mit der Psychologie des Feuers beschäftigt, wie es die Struktur des Holzes ändert, durch einen physischen Vorgang ein anderes Material daraus macht. Was wäre also, wenn die Violine jetzt Feuer fangen würde, rein durch das Spiel?“

© Lukasz Rajchert
Ernst Kovacic © Lukasz Rajchert
Johannes Fischer © Boris Breuer Fotografie

Mit seiner außergewöhnlichen Spielfreude und künstlerischen Qualität zählt das Ensemble Resonanz zu den führenden Kammerorchestern weltweit. Die Programmideen der Musiker setzen alte und neue Musik in lebendige Zusammenhänge und sorgen für Resonanz zwischen den Werken, dem Publikum und Geschichten, die rund um die Programme entstehen. Das 18-köpfige, sich selbst verwaltende Ensemble hat keinen Chef, sondern einen Artist in Residence – derzeit ist es Riccardo Minasi. Das Salzburger Konzert leitet Johannes Fischer, Schlagzeuger, Komponist und als Dirigent Spezialist für Neue Musik. Als Solist ist der große österreichische Geiger Ernst Kovacic (*1943) zu erleben, der Stücke von Bach bis zur Gegenwart im Repertoire hat und sich seit seiner Jugend intensiv für die Musik unserer Zeit einsetzt. Komponisten von Ernst Krenek über Friedrich Cerha und Kurt Schwertsik bis zu Johannes Maria Staud komponierten und komponieren für ihn.

Foto: Ensemble Resonanz © Renske Steen

Details

Datum:
3. März
Zeit:
19:00 - 19:45
Veranstaltungskategorie:

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