Egemen Kurt

Egemen Kurt © zVg

Biografie

Der Komponist Egemen Kurt (*2002, Izmir) lebt in Graz und schreibt Orchester-, Kammer- und Vokalmusik. Seine Werke spiegeln einen sich stetig wandelnden Bewusstseinsstrom wider, vergleichbar mit der komplexen Dynamik zwischen einer Bildhauerin oder einem Bildhauer und der eigenen Skulptur. Dieser künstlerische Strom entfaltet sich nahtlos: unvorhersehbare, instabile, konzentrierte, vibrierende, obsessive und oszillierende Urgesten sowie erwartungsdurchbrechende, lebendige, dynamische und pulsierende Momente gehen fließend in immersive, atmosphärische Räume über.

Nach seinem Studium der klassischen Gitarre an der Manisa Fine Arts High School studierte er Komposition und Instrumentation bei Uğurcan Öztekin. Von 2021 bis 2022 studierte er Komposition bei Mehmet Ali Uzunselvi am Staatlichen Konservatorium der Universität Kocaeli und ab 2022 bei Beat Furrer und Franck Bedrossian an der Kunstuniversität Graz. Zusätzlich nahm er an Meisterklassen von Salvatore Sciarrino, Stefano Gervasoni, Francesco Filidei, Mark Andre, Pierluigi Billone, Johannes Maria Staud, Jérôme Combier, Dieter Ammann und Unsuk Chin teil.

Für Loquela Codex, Streichquartett Nr. 1 wurde Kurt mit dem Ersten Preis des 16. Pablo-Sarozobal-Streichquartett-Kompositionswettbewerbs ausgezeichnet. Er wurde für zahlreiche Wettbewerbe und Call-for-Scores-Programme ausgewählt, darunter die Jaca Composition Competition (USA, 2021), der Bilgi University New Music Festival Call for Scores (Türkei, 2021), die 17. Sun River Prize New Music Composition Competition (China, 2021), ICE Week Call for Scores (Deutschland, 2022), Resis Festival Call for Scores (Spanien, 2022), Yaşar University New Music Days Call for Scores (Türkei, 2022) sowie Impuls Festival Call for Scores (Österreich, 2025) und aspekteFESTIVAL / Ö1 Salzburg Call for Scores (Österreich, 2025).

Seine Musik wurde in Italien, den Niederlanden, Spanien, Österreich, der Schweiz, Rumänien und der Türkei bei Konzerten und Festivals wie dem Bilgi University New Music Festival, den Yaşar University New Music Days, dem Resis Festival, dem Sesin Yolculuğu Young Composers Festival 2022 und 2023 (Türkei), dem Donostiako Musika Hamabostaldia Festival 2022, ISCM Avant-Garde 100, dem Lucerne Festival 2025, Impuls – 9. Festival für zeitgenössische Musik 2025, dem Remus-Georgescu-Festival – Timișoara 2025 sowie beim Abschlusskonzert der Accademia Chigiana 2022 aufgeführt. Kurts Werke wurden von führenden Ensembles, Interpret:innen und Dirigent:innen wie Cantando Admont, Quartetto Prometeo, Quartetto Maurice, Ensemble Handwerk, Ensemble N, Airborne Extended, UMS ’n JIP, Ensemble Reconsil Wien, Duo Ovocutters, Anatolian Wind Quintet, Quatuor Diotima, Ensemble PHACE, IEMA Ensemble 2024/25 sowie von Gregory Charette, Cordula Bürgi, Jasper Lecon, Beat Furrer, Matteo Cesari und Jon Svinghammar interpretiert.

egemen-kurt.com

Werkbeschreibung

Tertium Datur für Flöte, Klarinette, Klavier, Violine und Violoncello (2025/26, UA)

In der klassischen Logik besagt der Grundsatz „tertium non datur“, dass es zwischen zwei Gegensätzen keine dritte Möglichkeit gibt. Mein Titel, Tertium Datur („ein Drittes ist gegeben“), behauptet genau das Gegenteil. Die wahre Form dieses Werks liegt nicht in seinen starren Zuständen, sondern in dem fließenden, unentdeckten Raum dazwischen.

Musikalisch spannt sich das Stück zwischen zwei antagonistischen Kräften auf: der harten, rhythmischen Mechanik eines Scherzos und einem leuchtenden Choral, der auf quasi-spektralen, stark melodischen Akkorden basiert. Der Kern der Komposition ist jedoch die Metamorphose dieser Zustände.

Um sie organisch zu verbinden, tritt ein drittes Element in Erscheinung – schnell, flüchtig und harmonisch vieldeutig. Durch mikrochromatische Verschiebungen und eine stetige Aufwärtsbewegung durch alle Register des Quintetts wirkt dieses Laufwerk wie ein aktives Lösungsmittel. Es verwischt die strukturellen Nahtstellen. Klavier und Streicher verlieren allmählich ihren festen, rhythmischen Boden und lösen sich in den aufsteigenden, flüchtigen Linien von Flöte und Klarinette auf.

Tertium Datur ist keine bloße Gegenüberstellung von Kontrasten. Es besteht aus übereinanderliegenden Schichten, die verschwimmen, sich dehnen und schließlich ineinander übergehen. Die Musik schreitet voran, indem sie entgleitet, und beweist, dass der „dritte Weg“ genau diese stetige, unfassbare Flucht nach oben ist. (Egemen Kurt)