Morton Feldman

Morton Feldman (Holland Festival 1976) @ Rob Bogaerts/Nationaal Archief/Wikimedia Commons

Biografie

Morton Feldman wurde 1926 in New York geboren und starb ebenda 1987. Wie sein Freund John Cage, war er ein amerikanischer Komponist und Künstler – ein Amerikaner im wahrsten Sinne des Wortes.

Er hat seine Identität durch den grundsätzlichen Unterschied zwischen seinen Ansichten die Kunst der Komposition betreffend und denen seiner Kollegen in Europa bestimmt. Er war stolz, Amerikaner zu sein, weil er überzeugt war, dass dies ihm eine in Europa unvorstellbare schöpferische Freiheit ermöglichte. Und als ein wahrer Amerikaner, hatte er möglicherweise auch ein winziges Minderwertigkeitsgefühl gegenüber der kulturellen Traditionen Europas, was er ablehnte und doch insgeheim bewunderte.

Wie jeder wahre Künstler besaß Feldman eine Sensibilität für die verschiedensten Eindrücke, allen voran die Literatur und die Malerei. Seiner Affinität für die Welt Samuel Becketts verdankt die Musikgeschichte das einmalige Musiktheaterwerk Neither sowie zwei Stücke für Kammerensemble. Seine Freundschaft mit den New Yorker Malern des abstrakten Expressionismus hat eine Reihe von Kompositionen gezeitigt, darunter Rothko Chapel. Aber sogar die Kunst des Knüpfens orientalischer Teppiche hat ihn inspiriert (The Turfan Fragments).

Feldman hat die Frage nach der niedrigen Dynamik seiner Werke folgendermaßen beantwortet:

„ – Weil wenn es laut ist, kann man den Klang nicht hören. Man hört den Anschlag. Dann hört man den Ton nicht mehr, nur seinen Verfall. Und ich glaube, das ist was seinerzeit Boulez beeindruckt haben mochte: er hörte einen Ton, statt einen Anschlag, und der ist erschienen und verschwunden ohne Anschlag und Verfall, fast wie ein elektronisches Medium.

Man darf auch nicht vergessen, dass laut und leise ein Aspekt der Differenzierung sind. Und meine Musik ist eher ein Monolog, der keiner Aufrufzeichen, keines Doppelpunkts bedarf, sie bedarf keines…”

Feldman hatte auch eine originelle Antwort parat, wenn er gefragt wurde, warum er eigentlich komponierte:

„Sie kennen die wunderbare Bemerkung Disraelis? Er war leider kein guter Schriftsteller, aber wenn er einer gewesen wäre, wäre die Bemerkung großartig gewesen. Man fragte ihn, warum hatte er angefangen, Romane zu schreiben. Er antwortete, weil er nichts zu lesen hatte (lacht). Bei mir war es ähnlich mit der zeitgenössischen Musik. Ich war nicht glücklich mit ihr. Sie wurde wie ein Rohrschach-Test.“

Text: Universal Edition

Werkbeschreibung

Durations II für Cello und Klavier
ist ein minimalistisches Werk, das auf extrem langsamen, leisen Klängen basiert, bei denen die Interpreten die Dauer jeder Note selbst bestimmen, was eine meditative, fast statische Klanglandschaft erzeugt; es geht um Dauer und Wahrnehmung statt traditioneller Form, mit minimaler Attacke und leiser Dynamik, die eine einzigartige Konzentrationserfahrung schafft. Das Werk fordert die Hörer:innen und Interpret:innen heraus, die Wahrnehmung von Zeit zu verändern und sich auf subtile Klangfarben und langsame Prozesse einzulassen, anstatt auf melodische oder rhythmische Entwicklung zu warten.