Noh SeungJu

Noh SeungJu © Mirei Ozawa

Biografie

Der Komponist Noh SeungJu wurde 1997 in Seoul geboren. Er studierte in Korea Komposition sowie Literatur- und Filmkritik und lebt seit 2022 in Österreich. Am Mozarteum studierte er Komposition bei Johannes Maria Staud. Derzeit absolviert er bei Laure Hiendl den PhD in the Arts (Forschungsbereich: Komposition).
Er wurde für das Lucerne Festival Composer Seminar ausgewählt und wurde in dessen Zusammenhang in die Konzertreihe „Happy New Ears“ des Ensemble Modern aufgenommen. Er erhielt die Paumgartner-Medaille der Internationalen Stiftung Mozarteum und wurde 2025 als Preisträger des Theodor-Körner-Preises ausgewählt. Darüber hinaus zählen zu seinen Auszeichnungen u. a. das Jahresstipendium des Landes Salzburg, ein 2. Preis beim Bartók World Competition sowie ein 2. Preis beim IGNM-ACC Wettbewerb.
Er versucht, intuitive Musik zu schreiben, im Bewusstsein der Problematik dieses Begriffs. Er beschäftigt sich damit, wie sich überflüssige Klänge vermeiden lassen. Außerdem interessiert er sich für das von Mark Fisher inspirierte Konzept der Hauntologie, für die performative Repräsentationalität von Medien sowie für ästhetische Regime der Repräsentation.
Aktuell arbeitet er am Mozarteum als Teaching Assistant für Lehrveranstaltungen zur Ästhetik.

www.nohseungju.com

Werkbeschreibung

Studie I für fünf Instrumente

Ich ziehe es vor, inmitten der Ungewissheit nach einer Form von Gewissheit zu schöpfen, statt zu einer bereits vorhandenen Gewissheit noch eine größere hinzuzulegen. So lebe ich mit anderen zusammen, so höre ich ihren Geschichten zu, so bildet sich mein Denken – und zugleich ist es eine Art, ohne an Eindeutigkeit zu klammern, dennoch mich selbst und meine Umgebung irgendwohin in Bewegung zu setzen.
Beim Komponieren begegnet mir diese Ungewissheit vor allem in den Medien und Methodologien. Ihre Geschichtlichkeit, ihre Sozialität und ihre Normativität öffnen mir mal Momente der Möglichkeit, wecken dann den Impuls zum Aufbegehren, stellen eine Aussicht auf eine passende Synthese in Aussicht – nur um sie im nächsten Moment wieder zu verraten. Das stürzt mich in Verwirrung.
In solchen Augenblicken muss ich, um überhaupt weiterzugehen, einen winzigen Eingang finden. Er ist meist nicht synthetisch, sondern schlicht und konsequent: eine Art enger Blickwinkel. Manchmal fällt er nahezu mit einer einzigen Methode zusammen (welche auch immer es ist) – und solche Arbeiten habe ich beschlossen, „Studie“ zu nennen. Eine Studie sind also die Momente, in denen mich die konzentrierte Vertiefung in eine einzelne Methodologie vorangebracht hat.
Nachdem ich dieses Stück fertiggestellt hatte, bemerkte ich, dass sich dieser geistige Prozess, den ich beim Arbeiten daran durchlaufen habe, auch im Verlauf des Stückes selbst zeigt. (Noh SeungJu)