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aspekte 6: from shore to shore

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Universität Mozarteum Solitär | Mirabellplatz 1, 5020 Salzburg
13. März 2026
18:45 - 20:00

aspekte 6: from shore to shore

13. März 2026
18:45 - 20:00

Mitwirkende:

Michael Wendeberg, Dirigent
Ivana Pristašová Zaugg, Violine

PHACE
Doris Nicoletti, Flöte
Walter Seebacher, Klarinette
Alvaro Collao Leon, Saxophon
Spiros Laskaridis, Trompete
Stefan Obmann, Posaune
Manuel Alcaraz Clemente, Percussion
Igor Gross, Percussion
Mathilde Hoursiangou, Klavier
Francesco Palmieri, E-Gitarre
Ivana Pristašová Zaugg, Violine
Sarah Dragovic, Viola
Roland Schueler, Violoncello
Manuel Mayr, Kontrabass

 

Programm:

  • Beat Furrer, linea dell’orizzonte für Ensemble (2012)
  • Thomas Wally, Concertino für Violine und Ensemble (2024), Kompositionsauftrag von PHACE, mit finanzieller Unterstützung des BMKOES und SKE-Fonds
  • Sarah Nemtsov, from shore to shore für Ensemble (2024/25), Auftragswerk für PHACE, in Kooperation mit Osterfestival Tirol, unterstützt von der Ernst von Siemens Musikstiftung

 

„Als der Himmel sich aufhellte, lag eine dunkle Linie am Horizont und trennte das Meer vom Himmel …“, was Virginia Woolf in ihrem Roman The Waves beschreibt, hat Sarah Nemtsov zu ihrem neuen Ensemblestück from shore to shore angeregt. Mit mikrotonalen Schwebungen und sich umkreisenden Harmonien übersetzt sie Grautöne in Musik. Inspiriert vom selben Phänomen, der Horizontlinie, nähert sich Beat Furrer diesem in linea dell’orizzonte, indem er mit ineinanderschneidenden Stimmen das sich nach und nach Entwickelnde unterstreicht.

„Mich hat das Phänomen des Verdoppelns, aber auch des Verzerrens in einem Schattenbild interessiert und resultierend aus diesem Ineinanderschneiden von Stimmen das Entstehen von Prozesshaftem“, so Beat Furrer. In linea dell’orizzonte, seiner Komposition für das Ensemble Ascolta (UA, Donaueschingen 21.10.2012), wird dieses Transformationsprinzip auf ein heterogenes Instrumentarium aus Klavier, Violine, Violoncello, Klarinette, Trompete, Posaune, Schlagzeug und elektrischer Gitarre übertragen und in einem reichen, vielfältigen Material ausgeführt. Aus dem Ineinander der Stimmen wird eine Studie über den verzerrenden Schatten.

Es gibt Kompositionen, deren Gesamterscheinungen sich schwerlich jeweils auf nur eine konkrete Idee als gemeinsamer Nenner reduzieren lassen. So im Fall von Concertino für Violine und Ensemble, einem etwa zwanzigminütigen Werk für Violine und tief besetztes Ensemble. Bei dem Versuch, dieses zu tun, fällt der gemeinsame Nenner etwas unkonkret bzw. oberflächlich aus. Im Fall von Concertino könnte man den (teils hoch-virtuosen) Solopart nennen, dem das (wie schon erwähnt) tief besetzte Ensemble gegenübersteht: Bassflöte, Bassklarinette, Baritonsaxophon, Klavier, Violoncello und Kontrabass.

Mehrere musikalisch-kompositorische Ideen prägen das Werk: 1) Eine aus der Obertonharmonik gewonnene, vom Phänomen des Shepard-Tones inspirierte spiralartige Konstruktion, die den Beginn des Werkes prägt, zunächst als sich nur langsam vorantastende Harmonik, die sich in weiterer Folge immer schneller zu drehen beginnt. 2) Ein über weite Strecken aus extended techniques bestehender Loop-Teil, Musik, die an vorgerückter Stelle nochmals, allerdings ungelooped erklingt. 3) Ein langsamer Abschnitt, geprägt von ineinander verschachtelten Multiphonics und Doppel-Flageoletts, aus denen eine Gesamtharmonik abgeleitet wird und welche als Teppich für einen hoch-expressiven Violinpart dienen. 4) Ein dem Höhepunkt des Werkes zustrebender „wilder Ritt“ der Solo-Violine, dessen zum Teil hoch-virtuose Gestaltung in ständigem Dialog und Austausch mit dem Ensemble steht. Die Harmonik dieses Teils ist, wie die Obertonspirale zu Beginn des Werkes, ebenfalls eine Art sich quasi unendlich in sich selbst drehende Spiralkonstruktion. Der Abstieg nach dem Höhepunkt besteht aus keinen neuen Ideen, sondern aus einer Verschränkung von bislang erklungenen. 5) In der Coda ein Sich-Entfernen der Solostimme und dem restlichen Ensemble; die Violine wandert „nach oben“, das Ensemble dehnt sich „nach unten“ aus. Das Klavier bleibt „in der Mitte“, mit immer wieder neu ausdifferenzierten, glockenartigen Cluster-Klängen.

Winde, Streicher, Schlagzeug, präpariertes Klavier und eine Assistenz. Dieses Stück erkundet jene Grautöne, Zwischentöne und Schatten, die in der Dämmerung beginnen. Inspiriert von Virginia Woolfs experimentellem Roman The Waves bewegt sich das musikalische Material durch Veränderungen in mehreren Teilen. Mikrotonale Schwebungen, subtile Geräusche und sich ergänzende, umkreisende Harmonien. Die Komposition wurde für das Ensemble PHACE geschrieben und ist Reinhard Fuchs gewidmet. (Sarah Nemtsov)

„Die Sonne war noch nicht aufgegangen. Das Meer war vom Himmel nicht zu unterscheiden, außer dass das Meer leicht gekräuselt war, als hätte ein Tuch Falten. Allmählich, als der Himmel sich aufhellte, lag eine dunkle Linie am Horizont und trennte das Meer vom Himmel, und das graue Tuch wurde von dicken Strichen durchzogen, die sich, einer nach dem anderen, unter der Oberfläche bewegten, einander folgten, sich verfolgten, unaufhörlich. Als sie sich der Küste näherten, hob sich jeder Streifen, türmte sich auf, brach und zog einen dünnen Schleier weißen Wassers über den Sand. Die Welle hielt inne und zog sich dann wieder zurück, seufzend wie ein Schläfer, dessen Atem unbewusst kommt und geht.“
(aus: Virginia Woolf, The Waves)

Universität Mozarteum Solitär

Mirabellplatz 1
Salzburg, 5020 Austria

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