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aspekte 3: Sweet Spot: Schiffbruch mit Zuschauer

Stadtgalerie Lehen | Inge-Morath-Platz 31, 5020 Salzburg
11. März 2026
21:00 - 22:00

aspekte 3: Sweet Spot: Schiffbruch mit Zuschauer

11. März 2026
21:00 - 22:00

Mitwirkende:

büro lunaire, Konzept und Dramaturgie
Stefan Schmitzer, Text
Florian Kindlinger, Sounddesign
Gina Mattiello, Stimme
Elisa Azzarà, Flöte
Pablo Marin-Reyes, Posaune
Philipp Lamprecht, Schlagwerk
Reinhold Schinwald, Klangregie, Live-Elektronik

Programm:

 

Katastrophen werden in unserer Zeit vor allem als Bilder konsumiert und scheinen stets woanders stattzufinden. Der Zuschauer verliert sich in den Bildern, wird zugleich zum Beobachter und unmerklich Teil des Systems, das diese Bilder hervorbringt.
Die zentrale Frage lautet daher: Was bedeutet es, Katastrophen zu betrachten, ohne selbst betroffen zu sein? Gibt es in der Gegenwart überhaupt noch eine unschuldige Zuschauerposition – oder ist der Blick immer schon verstrickt in mediale, politische und ästhetische Zusammenhänge?

„Es ist eine Lust, sicher an Land den Schiffbruch anderer zu betrachten.“ Mit dieser berühmten Sentenz von Lukrez eröffnet Hans Blumenberg seine Untersuchung des Schiffbruchs als Denkfigur der abendländischen Philosophie. In „Schiffbruch mit Zuschauer“ beschreibt er, wie sich im Bild des Untergangs die großen Fragen nach Ordnung, Wissen und Existenz bündeln. In der Antike veranschaulicht der Schiffbruch die kosmologische Stellung des Menschen. In der Neuzeit jedoch wird er zur Metapher für die Unsicherheit menschlicher Existenz. Der Philosoph verfolgt in seiner Arbeit, wie der Mensch sich selbst und sein Verhältnis zur Welt bestimmt: zwischen Bedrohung und Beobachtung, zwischen Handeln und Denken.

Der Autor Stefan Schmitzer verfasste einen Text, der Blumenbergs Überlegungen reflektiert, weiterschreibt und die Grundlage für dieses Live-Hörspiel bildet. Ausgangspunkt ist dabei eine radikale Verschiebung der Perspektive: Nicht der distanzierte Blick auf den Untergang steht im Zentrum, sondern die Erfahrung einer kollektiven Beteiligung. Schmitzer macht diese Verstrickung offen sichtbar: Das Zuschauen erscheint hier nicht mehr als moralisch unbeteiligt, sondern als Teil eines konsumierenden Wir. Der Text insistiert auf der Unmöglichkeit einer klaren Trennung zwischen Beobachtung und Teilnahme.

Diese Verschiebung setzt sich im Aufführungsraum fort. Der Raum wird selbst zum Schiff: Das Publikum sitzt einander gegenüber und beobachtet sich gegenseitig. Die Performerin bewegt sich um ein in der Mitte positioniertes Kunstkopfmikrofon: ihre Stimme und die der Instrumente werden live über Funkkopfhörer übertragen. So entsteht ein Wechselspiel von Nähe und Distanz, von Innen- und Außenwahrnehmung, in das das Publikum unmittelbar einbezogen ist. Das Setting spielt mit unterschiedlichen Wahrnehmungs-perspektiven und eröffnet verschiedene Identifizierungsmöglichkeiten.

In Kooperation mit dem Programmbereich InterMediation an der Interuniversitären Einrichtung Wissenschaft & Kunst, Universität Salzburg/Universität Mozarteum Salzburg.

Stadtgalerie Lehen

Inge-Morath-Platz 31
Salzburg, 5020 Austria

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