Mitwirkende:
PHACE
Michael Wendeberg, Dirigent
Doris Nicoletti, Flöte
Walter Seebacher, Klarinette
Spiros Laskaridis, Trompete
Stefan Obmann, Posaune
Mathilde Hoursiangou, Klavier
Manuel Alcaraz Clemente, Percussion
Francesco Palmieri, E-Gitarre
Ivana Pristašová Zaugg, Violine
Roland Schueler, Violoncello
Manuel Mayr, Kontrabass
Programm:
- Parham Behzad, Enough? für Flöte, Posaune, E-Gitarre, Klavier und Kontrabass (2025/26, UA)
- Noh SeungJu, Studie I für Trompete, Percussion, E-Gitarre, Klavier und Cello (2025/26, UA)
- Dominik Wilnauer-Leitner, Friendly Machines für Flöte, Bassklarinette, Posaune, Schlagwerk und E-Gitarre (2025/26, UA)
- Egemen Kurt, Tertium Datur für Flöte, Klarinette, Klavier, Violine und Cello (2025/26, UA)
Gemeinsam mit Radio Österreich 1 und dem Wiener Ensemble PHACE lud das aspekteFESTIVAL im Juni 2025 zum zweiten Mal die österreichischen Musikuniversitäten ein, jeweils zwei ihrer Studierenden als teilnehmende Komponist:innen vorzuschlagen. Die Jury wählte einstimmig aus 16 Einreichungen vier junge Künstler aus und beauftragte sie mit einem neuen Werk. Der Jury gehörten an: Ludwig Nussbichler (aspekteFESTIVAL), Reinhard Fuchs (Ensemble PHACE), Mathilde Hoursiangou (Pianistin bei PHACE, mdw) und Rainer Elstner (Musikredaktion Ö1, Co-Kurator ORF musikprotokoll).
Genug? besteht aus zehn Sekunden dauernden Ausschnitten aus den meistgesehenen YouTube-Clips auf Suchanfragen wie „die schönsten Stücke für [Instrument]” oder „die 10 besten Stücke für [Instrument]”. Diese Fragmente werden vertikal übereinandergelegt und einem Downsampling-Prozess unterzogen, der Kontinuität und Kontext reduziert. Durch das wiederholte Resampling des Materials beginnen sich die ursprünglich einheitlichen Gesten zu destabilisieren: Wiederholungen untergraben die Kohärenz, dominante Elemente treten in den Hintergrund und der Prozess kehrt sich gegen sich selbst. – Parham Behzad
Ich ziehe es vor, inmitten der Ungewissheit nach einer Form von Gewissheit zu schöpfen, statt zu einer bereits vorhandenen Gewissheit noch eine größere hinzuzulegen. So lebe ich mit anderen zusammen, so höre ich ihren Geschichten zu, so bildet sich mein Denken – und zugleich ist es eine Art, ohne an Eindeutigkeit zu klammern, dennoch mich selbst und meine Umgebung irgendwohin in Bewegung zu setzen.
Beim Komponieren begegnet mir diese Ungewissheit vor allem in den Medien und Methodologien. Ihre Geschichtlichkeit, ihre Sozialität und ihre Normativität öffnen mir mal Momente der Möglichkeit, wecken dann den Impuls zum Aufbegehren, stellen eine Aussicht auf eine passende Synthese in Aussicht – nur um sie im nächsten Moment wieder zu verraten. Das stürzt mich in Verwirrung.
In solchen Augenblicken muss ich, um überhaupt weiterzugehen, einen winzigen Eingang finden. Er ist meist nicht synthetisch, sondern schlicht und konsequent: eine Art enger Blickwinkel. Manchmal fällt er nahezu mit einer einzigen Methode zusammen (welche auch immer es ist) – und solche Arbeiten habe ich beschlossen, „Studie“ zu nennen. Eine Studie sind also die Momente, in denen mich die konzentrierte Vertiefung in eine einzelne Methodologie vorangebracht hat.
Nachdem ich dieses Stück fertiggestellt hatte, bemerkte ich, dass sich dieser geistige Prozess, den ich beim Arbeiten daran durchlaufen habe, auch im Verlauf des Stückes selbst zeigt. – Noh SeungJu
1_Aerial Swarm
2_Jitter
3_Phase Drift
4_Photon Bat
Was bleibt von dem Schwarm aus Impulsen, den wir erzeugen? Zuerst sind es Maschinen, von Menschen gebaut und von Menschen bedient, als Werkzeuge, als Verlängerung der Hand. Irgendwann bleiben nur sie übrig, ohne Menschen. Die Maschine wird zum Archiv ohne Archivar. – Dominik Leitner
In der klassischen Logik besagt der Grundsatz „tertium non datur“, dass es zwischen zwei Gegensätzen keine dritte Möglichkeit gibt. Mein Titel, Tertium Datur („ein Drittes ist gegeben“), behauptet genau das Gegenteil. Die wahre Form dieses Werks liegt nicht in seinen starren Zuständen, sondern in dem fließenden, unentdeckten Raum dazwischen.
Musikalisch spannt sich das Stück zwischen zwei antagonistischen Kräften auf: der harten, rhythmischen Mechanik eines Scherzos und einem leuchtenden Choral, der auf quasi-spektralen, stark melodischen Akkorden basiert. Der Kern der Komposition ist jedoch die Metamorphose dieser Zustände.
Um sie organisch zu verbinden, tritt ein drittes Element in Erscheinung – schnell, flüchtig und harmonisch vieldeutig. Durch mikrochromatische Verschiebungen und eine stetige Aufwärtsbewegung durch alle Register des Quintetts wirkt dieses Laufwerk wie ein aktives Lösungsmittel. Es verwischt die strukturellen Nahtstellen. Klavier und Streicher verlieren allmählich ihren festen, rhythmischen Boden und lösen sich in den aufsteigenden, flüchtigen Linien von Flöte und Klarinette auf.
Tertium Datur ist keine bloße Gegenüberstellung von Kontrasten. Es besteht aus übereinanderliegenden Schichten, die verschwimmen, sich dehnen und schließlich ineinander übergehen. Die Musik schreitet voran, indem sie entgleitet, und beweist, dass der „dritte Weg“ genau diese stetige, unfassbare Flucht nach oben ist. – Egemen Kurt

